Alltagstipps für Eltern

Die meisten Eltern kennen das Problem, dass ihr Kind nicht das isst was es sollte, bzw. was es darf, weil es nicht besonders gut schmeckt, komisch aussieht und weil es eben anders ist. Ich bin selbst PKU Betroffene und kenne ein paar kleine Tipps die aber Großes bewirken können.

Am Wichtigsten ist es dem PKU- Kind nicht zu sagen „Du bist anders“ und „Du musst etwas Anderes essen“ sondern „Du bist etwas Besonderes“ und „Du musst etwas Besonderes essen“. Alleine dieses scheinbar unwichtige Detail kann so Vieles bewirken. Es ist ein großer Unterschied ob man anders oder etwas Besonderes ist! Welches Kind will schon anders sein als andere Kinder? Aber welches Kind möchte nicht auch etwas Besonderes sein?

Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch aufpassen wenn nicht PKU betroffene Geschwister da sind, denn sonst gibt man ihnen das Gefühl dass ihr Geschwisterchen mehr geliebt wird als es selbst. Sagen Sie auch Verwandten und Bekannten sie sollen das betroffene Kind nicht bemitleiden, wir sind nicht arm wir werden dazu gemacht weil jeder wenn er von PKU erfährt ankommt und sagt: „ Du armes Kind darfst nicht alles essen.“ Kinder nehmen alles was sie hören auf und wenn sie immer wieder gesagt bekommen wie arm sie sind schlägt das negativ auf den Umgang mit PKU um (meine Meinung). Wir können ganz normal leben wie andere, wenn man uns beibringt wie und wenn man uns nicht als arm und anders abstempelt. Es ist viel besser das Kind zu loben wenn es etwas Neues über die Krankheit gelernt hat, wenn es aufgegessen hat, wenn ihm jemand ein Wurstbrot anbietet und es sagt dass es das nicht essen darf. Solche Dinge sollte man mit Kleinigkeiten belohnen, aber nicht mit Essen, sondern einen Gang zum Spielplatz z.B. oder mit einer Partie des Lieblingsspieles Ihres Kindes. Kinder sollten mit Zeit belohnt werden, Zeit die man mit ihnen gemeinsam verbringt nicht mit Essen oder Spielzeug. Essen kann das Kind auch ohne sie, genauso spielen, aber Zeit mit ihrer Mama und ihrem Papa kann es nicht ohne sie verbringen.

Es bringt auch sehr viel wenn man die PKU Kinder von Anfang an in die Zubereitung ihrer Speisen und in die Essensplanung mit einbezieht. Ich habe schon oft erlebt dass die Kinder mit 10, 11 Jahren und älter nicht fähig sind selbst ihre Diät zu handhaben bzw. zumindest gut darüber bescheid zu wissen. Die Meisten wissen nicht, wie sie sich den PHE Wert einer Mahlzeit ausrechnen können und das ist traurig, spätestens wenn das Kind in die Schule geht sollte es zumindest wissen was es essen darf und was nicht. Man kann das Kind schon wenn es subtrahieren, multiplizieren, addieren und dividieren gelernt hat, mit ins Berechnen der Tagespläne einbauen. Jeder Elternteil übt doch mit seinem Kind Mathematik zuhause, dann nehmen sie Rechenbeispiele wie folgendes her: Du kommst von der Schule nach Hause und Papa und ich müssen noch schnell etwas erledigen bevor wir essen können. Da du aber schon sooo einen großen Hunger hast nimmst du dir einen Apfel. Du weißt aber, dass du ihn nicht einfach so essen darfst und legst ihn auf die Waage und siehst dass der Apfel 50g hat. Du weißt dass100g Apfel 9mg PHE haben. Wie viele PHE hat also der Apfel den du essen möchtest?

Sobald das Kind die Grundrechnungsarten beherrscht und auch über die Maßeinheiten bescheid weiß, was schon in der Grundschule der Fall ist, kann mit dem Kind in diese Richtung gearbeitet werden und da sollte man auch ansetzen und beginnen. Je lustiger sie die Texte formulieren umso lieber wird ihr Kind sie lösen wollen und so lernt es spielerisch seine Diät zu führen. Und das Kind immer wieder loben wenn es etwas richtig und gut gemacht hat. Wenn sie ihr Kind auch immer fragen was es denn gerne am nächsten Tag essen möchte wird es die von Ihnen zubereiteten Speisen auch eher konsumieren als wenn es einfach etwas vorgesetzt bekommt. Setzen sie sich am Vorabend mit ihrem Kind hin und gehen sie den Essensplan für den nächsten Tag durch. Machen Sie ihm Vorschläge und fragen Sie es was es denn gerne essen möchte. Wenn sie die Zeit dazu haben, und die sollten sie sich nehmen. Lassen sie ihr Kind bei der Zubereitung der Speisen helfen. Versuchen Sie auch wenn möglich, das Gleiche für die restliche Familie zu kochen. Es hilft dem Kind auch wenn es gefragt wird was es zu essen gibt es das gleiche sagen kann wie der Rest der Familie. Es kommt kein Abseitsgefühl, ich nenne es mal so, auf. Mit Abseitsgefühl mein ich, die Familie sitzt zu viert am Tisch, alle essen Kartoffelgulasch nur das PKU- Kind isst Nudelsuppe, außer das Kind wollte die Suppe essen. Auch wenn es in der Schule gefragt wird was es denn heute zu essen gibt zuhause und es sagen muss, Mama, Papa und mein Bruder essen Kartoffelgulasch und ich esse Nudelsuppe, da fragt jeder nach warum isst denn du kein Kartoffelgulasch? Wenn das Kind aber sagen kann wir alle essen heute Palatschinken, wird niemand nachfragen. Das mögen für Sie Kleinigkeiten sein, aber sie sind es nicht für ihr PKU- Kind. Es ist klar, dass das nicht immer möglich sein wird, aber dann sagen Sie ihrem Kind einfach dass es heute halt wieder etwas Besonderes zu essen bekommt! Das ist dann auch so in Ordnung für das Kind, denn es bekommt nicht etwas Anderes, sondern etwas Besonderes!

Meine Eltern haben das sehr gut hinbekommen was meine Diät damals betroffen hat. Ich hatte nie Probleme damit und habe mich immer sehr für Andere engagiert, trotzdem hab ich mich manchmal als Außenseiter gefühlt. Es hilft auch wenn sie zum Beispiel ein Paprikabrot nicht einfach so anrichten, sondern ein Gesicht aus Paprika drauflegen (das können sie auch alles für Ihr nicht PKU- Kind machen dann fühlt sich niemand ungerecht behandelt). Probieren sie gemeinsam mit ihrem Kind neue Rezepte aus und fragen sie auch immer Ihr nicht PKU- Kind ob es helfen will. Es ist nämlich auch wichtig Geschwister mit einzubeziehen. Denn viele Eltern stürzen sich auf das „arme“ PKU- Kind und vergessen dabei dass noch andere Kinder da sind. Genau das wird dann auch oft zum Problem vieler PKU- Kinder wenn sie älter sind. Die Eltern haben bis jetzt immer die Diät gehandhabt und das Kind nicht mithelfen lassen denn es hätte ja etwas falsch machen können und die Kinder stehen dann mit 10 od 11 Jahren da, kommen ins Gymnasium oder Hauptschule und haben noch immer keine Ahnung was sie essen dürfen und was nicht. In den Schulen gibt es auch meistens Buffets und die Verlockung ist groß dort mal was zu kaufen, denn auch die Freunde kaufen dort ja was und so viel PHE wird so Gummizeugs schon nicht haben, sieht doch harmlos aus. Vielleicht haben sie zuhause nie mitbekommen dass das Gummizeugs dass sie essen ein besonderes ist, weil die Eltern ihr Kind schonen wollten und ihm nicht gesagt haben, dass es etwas Besonderes isst sondern das gleiche wie auch der Rest der Familie.

Das wird dann wirklich zum Problem, deswegen: So früh wie möglich das Kind mit einbeziehen in die Diätplanung, es auch rechnen lassen wenn es das kann, es loben, nicht schimpfen wenn es etwas gegessen hat was es nicht darf, sondern erklären dass es dann krank wird und dass es sicher nicht krank werden möchte, dass es dann vielleicht nicht mehr mit den Freunden spielen kann weil es ins Krankenhaus muss… Je mehr sie ihrem Kind einen Einblick in die Welt der PKU- Diät gewähren, umso weniger Probleme wird ihr Kind später haben damit umzugehen und umso weniger groß wird das Verlangen sein „normal“ zu essen!

Viel Spaß beim Rechnen, Kochen und Belohnen!

Jasmin Trinkl / jasmin.trinkl@oegast.at